Prognosen zur Arbeitswelt der Zukunft

befragt: Prof. Dr. Lothar Abicht, Zukunfts- und Bildungsforscher

Frage: Wie wird sich die digitale Revolution auf Arbeitsplatzgewinne und -verluste auswirken?

Die Oxfordforscher Frey und Osborne haben schon im Jahr 2013 eine Prognose veröffentlicht, nach der bis zu 47 Prozent der nordamerikanischen Arbeitsplätze von den technischen Möglichkeiten her durch Algorithmen und Roboter ersetzt werden könnten. http://www.oxfordmartin.ox.ac.uk/downloads/academic/The_Future_of_Employment.pdf

Methodisch ähnlich angelegte Studien für Deutschland kommen auf noch höhere Prozentzahlen.

Dem stehen aktuelle Studien aus Deutschland gegenüber, welche versuchen, mit anderen methodischen Ansätzen die real zu erwartenden Arbeitsplatzverluste zu berechnen. Die Ergebnisse sind weit weniger dramatisch und bewegen sich je nach Studie zwischen geringen Verlusten oder sogar deutlichen Zuwächsen. http://www.economix.org/assets/content/ERC%20Arbeitsmarkt%202030%20-%20Prognose%202016%20-%20Langfassung.pdf

Auch aktuelle Untersuchungen des IAB zu den bisherigen Auswirkungen der Digitalisierung geben keinen Anlass, Alarm zu schlagen. http://doku.iab.de/aktuell/2017/aktueller_bericht_1705.pdf

Das sollte aber kein Anlass sein, Entwarnung zu geben. Denn zwei Entwicklungen können auch die sorgfältigsten Studien nicht vorhersehen. Das betrifft zunächst die exponentielle Geschwindigkeit, mit der sich die digitalen Technologien entwickeln. Diese hält seit über 30 Jahren an und ein Ende ist nicht abzusehen. Noch drastischer können die Auswirkungen von Trendbrüchen sein, wie wir sie gegenwärtig durch das Vordringen der Plattformökonomie beobachten. Durch sie können die Geschäftsmodelle bestehender Branchen in Monaten oder wenigen Jahren hinweggefegt und ersetzt werden. Erinnert sei nur an den Ersatz von SMS durch Whatsapp, den Fahrdienstleister Uber oder das Vordringen des Onlinehandels mit dem Monopolisten Amazon an der Spitze.


Prof_Dr_Lothar_Abicht

Prof. Dr. rer. nat. habil. Dr. h.c. Lothar Abicht, Zukunfts- und Bildungsforscher, Buchautor, Geschäftsführer Institut für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung (isw), Professur für Erwachsenenbildung und Weiterbildung an der TU Chemnitz, gefragter Keynote-Speaker (z. B. zum 2. Sächsischen Fachkräftesymposium am 14. Juni in Leipzig)

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