Wie können Unternehmen die Herausforderungen der digitalen Transformation in Hinblick auf HR in einem internationalen Umfeld meistern? Und welche technologischen Lösungen gibt es dafür? Darüber habe ich mit James Parsons und Daniel Zinner gesprochen. Beide sind gemeinsam Veranstalter der Internationalen HR Tech Konferenz, die am 5. September in Leipzig stattfindet und sich mit dieser Fragestellung beschäftigt. („Problem gelöst!“ ist unsere neue Interviewreihe, in der wir Menschen, Ideen, Projekte, Events und Tools vorstellen, die Personalern die Arbeit erleichtern.)
Maria Sharichin: Guten Morgen, schön Euch zu treffen. Es sind nur noch wenige Wochen bis zur Internationalen HR Tech Konferenz und die Aufregung steigt. Erzählt doch mal: Was ist das Besondere an der Konferenz? Was habt Ihr vor?
Daniel Zinner: Es gibt tatsächlich keine vergleichbare HR Tech Conference in ganz Deutschland. Unser Fokus liegt in der Kombination aus 3 Dingen: Human Resources, Technologie und Internationalität.
James Parsons: Es werden Tech-Lösungen vorgestellt, die HR-Abteilungen brauchen, und wir diskutieren darüber, wie wir diese Tools und Dienstleistungen effektiv nutzen können. Unter dem Aspekt, daß wir alle immer weniger Ressourcen haben, müssen Abteilungen, Unternehmen oder auch Kommunen ihre Prozesse beschleunigen, verschlanken und verbessern, um im digitalen Zeitalter anzukommen – darum wird es gehen.
Daniel Zinner: Zukünftig wollen wir die Konferenz jährlich stattfinden lassen, hier in Leipzig und nach Möglichkeit auch immer im SpinLab. Unser Ziel ist es perspektivisch, daß wir als Konferenz bald nationalen und internationalen Stellenwert haben und in der gleichen Liga spielen wie andere, bereits etablierte HR-Konferenz-Formate.
Maria Sharichin: „International“, „HR“ und „Tech“ … Was bedeuten diese Komponenten konkret für Euch und für die Konferenz?
Daniel Zinner: „International“ steht für Global Mobility, Talent Mobility, alle Arten von People Mobility, das ist unser Anspruch. Deshalb wird die Konferenz auch ausgerichtet von der People Mobility Alliance. People Mobility ist dabei inklusiv, das heißt, es beinhaltet alle möglichen Arten von Menschenmobilität. Tech bzw. Technology ist dabei eine sehr wichtige Komponente: Viele Prozesse und insbesondere viele HR-Prozesse müssen digitalisiert werden. Viele Firmen feiern sich schon, wenn sie die elektronische Personalakte implementiert haben. Wenn es jetzt aber darum geht, Personal aus dem Ausland effizient zu administrieren, oder um deutsche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die ins Ausland gehen sollen, um sich da zum Beispiel weiterzuentwickeln, – wenn DAS alles noch per Email geschieht oder per Excel-Sheets, oder mit irgendwelchen handgeschriebenen Erfahrungsberichten, dann verwaltet man sich als Firma zu Tode. Wir wollen Leute und Anbieter zusammenbringen, die intelligente technologische Lösungen haben im Bereich Global Mobility und internationales HR. Es geht um B2B, es geht um Firmen, die Mitarbeitende betreuen und administrieren. Wir haben das weiterentwickelt zu „People-Tech“: es geht eben nicht nur um die Gehaltsabrechnung, die digitale Personalakte und irgendein Recruiting-Tool, sondern es geht um die Kombination aus Technologie und People-Touch, also wie bekommt man einen emotionalen Aspekt zusammen mit effizienter, digitaler Administration.
James Parsons: Leipzig war schon immer eine sehr internationale Stadt und zieht Menschen aus der ganzen Welt an. Auf der Konferenz haben wir Firmen aus ganz Europa da, die in einem Pitch ihre kreativen Ideen nach Leipzig bringen und vorstellen: aus Österreich, aus der Ukraine, aus England, aus Holland. Und natürlich sind auch unsere Sponsoren internationale Unternehmen, genau wie unsere Konferenz-Teilnehmer. Wir alle haben mit HR zu tun. Und der Technologie-Schwerpunkt steht mit der Verleihung des People Mobility Awards im Fokus.

Maria Sharichin: Wer ist Zielgruppe für die Konferenz? Wer sollte unbedingt dabei sein?
Daniel Zinner: Zielgruppen sind HR-Leiter, Global Mobility-Leiter, Finance, öffentlicher Dienst, auch Dienstleister aus dem internationalen HR-Tech-Bereich und auch StartUps.
James Parsons: Die gute Mischung ist uns wichtig – 80 Prozent der Teilnehmer sollen tatsächlich Personaler sein, egal, ob aus kleinen oder großen Teams, aus KMUs oder Konzernen oder Kommunen. Und 20 Prozent dann diejenigen, die mit HR-Abteilungen zusammenarbeiten, die Tech-Lösungen anbieten oder in Unternehmen einführen: ausgewählte Berater, Coaches, Dienstleister.
Maria Sharichin: Was erwartet die Teilnehmer? Was sind die Themen, die diskutiert und vorgestellt werden?
James Parsons: Einen Tag lang widmen wir uns Themen wie HR-Transformation, Tools, und dem Fachkräftemangel. Wir haben Paneels, Podiumsdiskussion, Workshops und viele Möglichkeiten zum Netzwerken: Wir haben Stände von unseren Sponsoren, die man besuchen kann, wir haben eine After-Conference-Party im SpinLab, und auch am Vorabend wird es ein Event geben. Die Konferenz präsentiert eine große Menge an neue Informationen und Lösungen, – Es ist quasi ein Update zu dem, was HR-Tech-Firmen anbieten können.
Daniel Zinner: Die Teilnehmer erwartet ein transformatives Erlebnis in einem sehr inspirierenden Umfeld in einer Stadt wie Leipzig, die ja von Aufbruch geprägt war und die auch den Aufbruch in Deutschland angetrieben hat. Die Themen sind HR-Transformation, also Transformation im Sinne von Mindset-Transformation, aber auch digitale Transformation, internationale Rekrutierung, Arbeitskräftemangel, Zuwanderung von qualifizierten aber auch von displaced Talents, also Migranten und Flüchtlingen und natürlich globale HR-Administration: Was ist das? Wie geht das? Welche Anbieter gibt es da? In der Key-Note von Florian Arndt geht es um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in HR-Prozessen und um Hacks, also wie kann man KI für sich persönlich und im Job nutzen. In den Workshops betrachten wir zum Beispiel die Zusammenarbeit in hybrid arbeitenden Teams. „Hybrid“ heißt dabei für uns nicht nur Home-Office, sondern hybrid heißt für uns auch „wir haben im Ausland und in Deutschland Teams“. Es wird aber auch um Sprachzertifizierung gehen und die Implementierung von globalen HR-Tools im Unternehmen. In kleineren Workshops behandeln wir die Integration der spanischsprachiger Kollegen und Kolleginnen in Leipzig oder den Transfer von Straßenbahn-Fahrern aus Vietnam nach Leipzig. Außerdem gibt es rechtliche, sozialversicherungsrechtliche und einwanderungsgesetzbezogene Workshops. Es spricht zum Beispiel der Head of Communication von Stepstone, Dr. Tobias Zimmermann, und der Deutschland-Chef von Deel, einem der größten globalen Gehaltsabrechner. Und wir haben viele CEOs, die von ihren Unternehmen berichten werden, ihre Lösungen, Dienstleistungen und Angebote vorstellen und Einblick geben in die Welt der Global Mobility.
Maria Sharichin: Was hat Euch persönlich dazu bewogen, diese Konferenz ins Leben zu rufen?
James Parsons: Ich war beruflich schon immer sehr nah dran an den HR-Abteilungen, denn sie haben bei mir in der Vergangenheit Englisch-Kurse gebucht. Die HR-Abteilung war für mich immer der erste Kontaktpunkt in die Unternehmen. Seit 7 Jahren organisiere ich mit verschiedenen Partnern das HR-Meetup in Leipzig. Und auch in meinen anderen Jobs, egal, ob es um Übersetzungsleistungen ging, oder um E-Learning im Unternehmen, war HR immer mein Ansprechpartner. Seit meiner Tätigkeit bei ETS global bin ich verantwortlich für Pipplet, das ist eine Plattform, die Sprachskills mißt in 41 verschiedenen Sprachen und im Kontext. Das ist eine Superlösung für Massenrecruiting zum Screening. An jeder Stelle in meinem Berufsleben hat HR eine große Rolle gespielt und die Konferenz ist für mich eine Möglichkeit, all die Leute, die ich in den vergangenen Jahren im Personalbereich kennen gelernt habe, wiederzusehen, einzuladen und für sie etwas Einzigartiges zusammen mit Daniel auf die Bühne zu bringen.
Daniel Zinner: Ich habe als internationaler HR-Consultant 20 Jahre Berufserfahrung mit International HR oder Global Mobility, das wir neu definiert haben und nun People Mobility heißt. Als PMA – People Mobility Alliance haben wir schon einige Events durchgeführt, sowohl vor Ort, aber auch Webinare, und wir haben von den Teilnehmern oft gehört, man würde das gern mal größer machen, und so haben wir dann gesagt, im Dezember 2023: Das nächste von der PMA organisierte Event findet in Leipzig statt! Dann habe ich relativ schnell James dafür begeistern können, weil er auch schon länger eine solche Veranstaltung machen wollte, und so war schnell klar, daß wir das ZUSAMMEN machen – in Leipzig.
Maria Sharichin: Warum war für Euch sofort klar, daß diese Konferenz nach Leipzig gehört?
Daniel Zinner: Ich bin ursprünglich aus der Nähe von Leipzig und habe ganz viel Zeit in Leipzig verbracht, deswegen ist es mir wirklich eine Herzensangelegenheit. Leipzig ist ein Ort des Aufbruchs, von hier ging die gesellschaftliche Transformation Deutschlands 1989 aus. Und auch jetzt sind wir wieder mittendrin in einer gesellschaftlichen Transformation. Jetzt geht es um Haltung, um Einstellung und auch um Digitalisierung. Leipzig hat das schon mal gemacht, einen wirklichen Umbruch, die Menschen hier haben das schon mal gemacht und auch schon mal DURCHgemacht, diese Erfahrungen. Ich glaube, Leipzig kann wieder ein Ausgangspunkt sein.
James Parsons: Leipzig ist eine Stadt, die Kultur hat und sich immer weiter entwickelt, ist eine Stadt voll guter Ideen. Die Leipziger sind offen und hungrig auf Neues. 2000 bis 2012 habe ich hier den Elevator Pitch mit sehr großem Erfolg durchgeführt, eine Veranstaltung in Englisch mit 450 Teilnehmern. Wir versuchen, diese Neugier, diese Offenheit und auch das Pitching in unsere neue Konferenz zu integrieren und dann schauen wir, wie alles zusammen funktioniert. Wir machen diese Konferenz zum allerersten Mal, und auch wenn vielleicht nicht anfangs nicht alles perfekt ist, es wird sehr menschlich, auch wenn Tech im Vordergrund steht. Dafür bringen wir ganz viele Menschen und Netzwerke zusammen, von mir, von Daniel, oder auch von Dir, Maria. Leipzig ist dafür der perfekte Ort – war immer Messestadt, war immer offen für neue Ideen – und das soll nicht aufhören.
Maria Sharichin: Die Konferenz findet im Spinlab statt, ein sehr besonderer und cooler Ort mit StartUp-Atmosphäre auf dem Gelände der Alten Baumwollspinnerei. Was macht diesen Ort für Euch aus?
James Parsons: Viele der Teilnehmer, die zum ersten Mal in Leipzig sind oder noch nie im SpinLab waren, werden überrascht sein, was alles in Leipzig möglich ist. Das Spinlab gehört zu den drei besten Inkubatoren in Europa und diese ganz besondere Atmosphäre, das man Neues schaffen kann aus etwas Altem, Vergessenem, so, wie es die ganze Baumwollspinnerei mal war, das wollten wir zeigen und diese Geschichte mit fortsetzen.
Daniel Zinner: Das SpinLab steht ja für Digitalisierung, für frischen Wind und Innovation. Außerdem hat das SpinLab ja die Anbindung zur HHL, und da hab ich als Absolvent der Handelshochschule sowieso eine persönliche Verbindung und ein sehr gutes Verhältnis. Und die Location ist wirklich cool, sie verbindet Alt mit Modern, ist ein Co-Working-Space, aber auch ein Accelerator für StartUps, lebt also genau DAS, worum es geht bei der International HR Tech Konferenz: Der Schritt in die richtige Richtung, um Transformation, um Mindset-Transformation, aber auch digitale Transformation.
Maria Sharichin: Sehr gut – Dann laßt uns gemeinsam diesen Schritt gehen! Ich wünsche der Konferenz viel Erfolg und hoffe, daß ganz viele der Teilnehmer nach den Vorträgen, Pitches, Gesprächen und Workshops für sich und ihre Personalarbeit eine konkrete Problemlösung mit nach Hause nehmen.
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„Problem gelöst!“- Interview zum Thema Karrieremessen








